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:::Nachlass von Theodor Herzen bei der Martin-Opitz-Stiftung in Herne.

Bei der Übergabe des Nachlasses an die Martin-Opitz-Stiftung hat Dr. Klaus Frank das Leben und Werk des großen Künstlers in einer kurzen Ansprache gewürdigt

Zum Gedenken an Theodor Herzen in der Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek am 2.06.2010 bei der Übergabe des Teilnachlasses

... Frau Bürgermeister Klemczak, Herr Dr. Kessler, Frau Olga Schneider, liebe Olga, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Ich danke Ihnen, dass Sie heute in die Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek gekommen sind, um bei der Übergabe des Teilnachlasses des deutschen Malers Theodor Herzen aus Kyrgystan an die Stiftung dabei zu sein.

Frau Olga Schneider und ich sind froh, dass wir mit dieser Übergabe unser Versprechen, das wir Theodor Herzen kurz vor seinem Tode gegeben haben nun einlösen können.

Wir haben Theodor Herzen versprochen, einen würdigen und sicheren Platz zur Aufbewahrung für seine Arbeiten, Bilder und Werke zu finden -, für seine Arbeiten, die er mit nach Deutschland gebracht hat ,- um sie zu bewahren für die, die nach uns kommen werden.

Einen wesentlichen Teil seiner Arbeiten hatte Theodor Herzen bereits vor der Ausreise nach Deutschland mit entsprechenden Verfügungen zur Aufbewahrung und Nutzung abgegeben:

Zum einen das Manas-Epos mit den Druckplatten und Ölgemälden an das Nationalmuseum in Bischkek und das Nibelungenlied, ebenfalls mit den Druckplatten an das Stadtarchiv in Worms. Heute können wir unser Versprechen an Theodor Herzen hier in Ihrer Gegenwart mit der Übergabe der Bilder und Arbeiten und seines weiteren Nachlasses, wie Skizzenbücher, Handwerkszeuge und Ehrungen, einlösen.

Dabei sind wir traurig, dass es sich hier leider nur um einen Bruchteil seiner Bilder handelt, denn eine große Anzahl hat er in Bischkek einem Malerfreund anvertraut, der leider auch kurz nach ihm verstarb. Aus diesem Bestand, zu dem wir aus dem Westen keinen Zugang hatten, sind sehr viele Bilder in die ganze Welt verstreut worden, aber weder zum Nutzen seiner Kinder noch zum Nutzen eines Museums in Bischkek, wie es sich Theodor Herzen vorgestellt hatte.

Nach meinem Wissen und meiner Überzeugung ist Theodor Herzen einer der bedeutendsten bildenden Künstler deutscher Abstammung im Bereich der ehemaligen UdSSR. Er stammt aus einer Familie, die keine nationalen Vorurteile kannte. Dass man zunächst in der neuen Umgebung fremd war, wurde als Gewinn und nicht als Bedrohung empfunden.

Diese Offenheit für die Welt, in die wir geboren werden und gegenüber den Menschen, mit denen wir leben müssen, kennzeichnet das Handeln und Schaffen von Theodor Herzen.

Theodor Herzen war kein Wanderer zwischen den Kulturen oder Nationen. Herzen lebte in der kyrgysischen Kultur und Landschaft, genauso, wie in der deutschen Kultur und Landschaft und er kannte und hatte auch eine russische Seele.

Theodor Herzens Landschaftsbilder sind voller Leben und gehören nach meiner Meinung in eine Reihe mit den Landschaften von Renoir, dem französischen Landschaftsmaler, auch wenn er nicht in Ölfarben sondern in Pastellkreiden gemalt hat.

Unser Verband hatte schon Anfang der 80-er Jahre Kontakt zu den Deutschen in der damaligen UdSSR aufgenommen und dabei betreute der Landesverband Rheinland-Pfalz zusammen mit Niedersachsen Kasachstan und Kyrgystan, und der Landesverband Nordrhein-Westfalen vor allem Russland.

1990 konnte der Frankenthaler Kunstverein "Die Treidler" erstmals als Sensation kyrgysische Künstler ausstellen. Damals besuchte Theodor Herzen zum ersten Mal die Heimat seiner Väter und in dieser Zeit wuchs bei ihm der Wunsch, nach dem kyrgysischen Nationalepos Manas auch das deutsche Nibelungenlied zu "bebildern".

Damals lernte ich dann auch Theodor, den Deutschen, den Kyrgysen oder den Russen? Nein, den Menschen Theodor Herzen kennen, der in mindestens zwei Ethnien zu Hause ist.

Unser Kontakt wurde intensiver ab 1991, als wir zusammen eine Kurzfassung des Manas-Epos herausbringen mussten. Das war eine "Auftragsarbeit" - eine Arbeit unter Zeitdruck, denn, unser damaliger Bundespräsident hatte Kasachstan, also Almati besucht, aber Frunse in Kyrgystan links liegen gelassen.

Kluge Diplomaten erkannten, als die UNO in der Generalversammlung in Frunse 1995 zum Jahr des Manas erklärten - 1000. Jahrestag -, dass sich damit eine Möglichkeit aufzeigte mit einer Darstellung des Manas-Epos in deutscher und russischer Sprache "Wiedergutmachung" zu leisten. Dabei wurden in dieser Manas-Ausgabe schon die Linolschnitte durch Ölbilder zum Thema Manas ergänzt.
Und das bewerkstelligten dann Theodor Herzen in Frunse, jetzt Bischkek, und ZMO in Hürth. Bei diesem Eiltempo passierte uns noch das Missgeschick, dass der Verlag auf Korrekturlesung durch uns meinte verzichten zu können. Dann haben wir die ganze Auflage noch einmal drucken müssen, weil wir gern ein fehlerfreies Buch liefern wollten und mussten. So wurde dem kyrgysischen Präsidenten bei der großen Feier zunächst leider nur ein "Leer-Exemplar" überreicht.

Das diplomatische Ziel wurde also dennoch mit unserer Hilfe erreicht. Hier kann ich erwähnen, dass wir von den Fehldrucken noch einige Exemplare aufgehoben haben, denn die Linolschnitte zum Manas-Epos und die neuen Ölbilder von Theodor Herzen sind gut reproduziert. Wenn man aber dieses Buch neu drucken wollte, sollte der Text um die kyrgyisische Sprache ergänzt werden.

Das entspräche dem Wunsch von Theodor Herzen, der in diesen drei Sprachen lebte. Nach dem Tode seiner Frau Ignatieva 1999, die ebenfalls eine hervorragende Malerin war, übersiedelte Theodor Herzen im September 2000 nach Deutschland und nach Hürth, weil er hier seine Jugendliebe wieder gefunden hatte. Hier in Hürth ist er dann am 29.06.2003 verstorben, und hier haben wir ihn auch zu Grabe getragen.

Lieber Theo, heute lösen Olga und ich dank vieler Helfer unser Versprechen ein und übergeben Deinen Nachlass der Martin-Opitz-Stiftung, einem würdigen Platz in der Gilde Deutscher Museen.

Dafür danken wir den Herren Dr. Kessler und Dr. Tebarth und den Stiftungsgebern und allen Helfern bei dieser Ausstellung und der Aufnahme der Werke in die Obhut. Erlauben Sie mir noch eine Bitte auszusprechen: Nach meiner Kenntnis ist das künstlerische Erbe der Deutschen aus Russland verstreut und in keiner Weise aufbereitet, man merkt sehr stark, dass z.Zt. der Auswanderung der Russlanddeutschen bei uns in Deutschland Kleinstaaterei herrschte.

Ein Beispiel wäre Johann Warkentin, der große Alte Mann der russlanddeutschen Literatur Waldemar Weber: Dichter, Übersetzer, Verleger Zusätzliches zur Erinnerungs- und Erduldungsliteratur.

 

 

 

 

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